S/Y ALRISHA

Alubat OVNI 435

Urlaub 2013 – Die Gämsen oder ein steinreiches Land

 

29.Juni - 28.Juli 2013

 

Sie kommen wie immer mit viel zu viel Gepäck, aber es sind auch ein paar Geschenke für mich dabei. Ich bekomme endlich je eine Persenning für mein Steuerrad, meine Navigationsinstrumente und für meinen Außenborder – Brigitte hat sie für mich genäht. Sie räumen meine Staukoje aus, denn ich soll einen neuen Inverter eingebaut bekommen, außerdem soll meine im Vorjahr feste Reeling, endlich maschinell poliert werden. Des Weiteren wird ein neuer Radarreflektor auf meiner zweiten Saling von Brigitte montiert, dafür muss sie aber gleich zweimal in den Mast. Auch viele andere Kleinigkeiten (Wasser auffüllen, Glocke montieren, Fahrräder in den Dienst stellen, alten Flaggenhalter entfernen, Backskiste Löcher vergrößern, Sprayhood und Bimini genäht und gewaschen und imprägniert, Deck abspritzen, ...) werden noch vor der Ausfahrt erledigt. Sie treffen Hilde und Siegfried, zuerst kommen sie zu mir und dann sind meine bei Ihnen am Campingplatz zum Grillen eingeladen.

 

Aber endlich am Montag werden meine Leinen gelöst und außerhalb der Lagune können meine Segel gelüftet werden und es bewahrheitet sich wieder ein Schiff muss schief sein. Den ganzen Törn kann ich mit ein paar Ausnahmen segeln. Bei der Zollpier in Umag weht uns erstmals die EU-Flagge entgegen.  Seit 1. Juli ist Kroatien das jüngste Mitglied der EU. Trotzdem heißt es weiterhin einklarieren und auch das Permit und die Kurtaxe sind zu bezahlen. Unsere beiden Hafenmeister begrüßen meine Beiden recht herzlich und der junge Hafenmeister meint als es zum Zahlen kommt – „ALRISHA sei nicht böse, aber heute bist du ein 8m Boot!“. Manchmal sagt Brigitte eh – sie hätte mich gerne zum Reinigen viel lieber kleiner und zum Wohnen ein wenig Größer. Ich bin nicht böse, denn um den Rabatt gibt es halt das eine oder andere Bier. Zum Essen gehen sie wieder auf die Fressmeile und es gibt wieder gemischte Muscheln.

 

Zeitig gehen sie auf den Markt. Sie kommen mit herrlich frischen Gemüse und Obst nach Hause. Beim Fleischer wird Pljeskavica und Cevapcici gekauft. Danach können wir bis unter Rovinij zu den Hotelinseln segeln, wo wir auch übernachten. Am nächsten Morgen müssen wir bis zum Leuchtfeuer Porrer kreuzen. Leider lässt der Wind relativ bald danach aus und so überquere ich den Kvarner mit meiner Unterwassergenua. Unije Stadt ist geplant, aber für den frühen Morgen ist Bora angesagt. Sie ändern meinen Kurs und lassen den Anker nach Mitternacht in der Bucht Vognisca fallen. Der nächste Tag – ein Buchttag mit einem Grillabend – nur um Wunden zu lecken.

 

Weiter geht es Richtung Süden und ich kann meinen Blister wieder einmal herzeigen. 24sm schönstes Segeln – ich freue mich, denn ich kann einige andere Boote überholen – bis dann – ein Einzelgefahrenzeichen im Wege ist. Ferry geht immer mehr vor dem Wind, bis dann die Manöverböe (20kn) kommt und bis sich mein Blister um das Kutterstag wickelt. Brigitte kann den Blister nicht mehr bergen. Inzwischen sind es über 15 Knoten Wind. Am See haben sie gelernt, wenn du den Spi nicht mehr bergen kannst, dann lass ihn einfach nach Achtern  auswehen, so lösen sie eine Schot und schon hat sich ein Schothorn um die erste Saling gewickelt. Der Spi zerrt an meinem Rigg und Ferry versucht in der Bucht von Pantera (Dugi Otok) vor Anker zu gehen. Brigitte geht in den Mast und glaubt schon meinen Blister zerschneiden zu müssen, erst als sie meine 2. Schot abschlagen können, lässt sich der Knoten langsam lösen. Der Blister fällt ins Wasser und Ferry holt ihn sofort an Deck. Brigitte war noch keine 2 Minuten unten, ihre Knie schlotterten noch immer, kommen die Bojenboys und meinen „Hier ist Ankern verboten. Ihr könnt an die Boje gehen – Kostenpunkt 16 Kuna pro Meter.“ Ferry verhandelt auf 10 Meter, aber die Boys gehen nicht darauf ein, also haben sie 15 Minuten Zeit, Anker auf zu gehen und mich an einen anderen Platz zu verholen. Mein Anker fällt in der Bucht vor Veli Rat. Heute gibt es 2 große Manöverschlucke.

 

Mit dem Dinghi und meinem Außenborder geht es nach Veli Rat. Sie wollen sich den Leuchtturm anschauen. Sie spazieren durch den Ort, an der Marina vorbei, die Straße entlang und biegen dann auf einem Forstweg. Sie sind ganz alleine, bald zweigt der Weg in eine Allee ab. Sie sind von der Natur überwältigt. Brigitte meint noch, beim Leuchtturm werden wir nichts zu trinken bekommen. Nach insgesamt einer ¾ Stunde sehen sie den Leuchtturm, Autos, viele Menschen und ein Schild „Beach Bar“. Der Tag ist gerettet. Den Leuchtturm kann man mieten um dort Urlaub machen, dementsprechend ist er eingezäunt und nur bedingt zu besichtigen. Im Ort zurück gibt es noch eine sehr gute Pizza. Da es inzwischen spät geworden ist soll es nur um die Ecke gehen, aber die Bucht vor Bozava ist zum Ankern viel zu tief und im Hafen gibt es nur mehr ganz hinten im Eck einen Platz. Leider ist starker Seitenwind und somit geht Ferry kein Risiko ein und wir ankern Visavis auf Zverina. Keine tolle Bucht, aber zum Übernachten gut genug.

 

Unter Segel geht es nach Sali. Hier gibt es einen Stadthafen, der als Marina ausgebaut ist. Es gibt Mooringe, Wasser, Strom und Duschen. Ich werde gleich mal abgespritzt und Brigitte wäscht 2 Maschinen. Inzwischen legt ein Charterboot mit Österreichern zwischen zwei Booten an. Er fährt den Parkplatz toll an, aber dann auf einmal bekomme ich einen Schlag vom Nachbarboot. Der Österreicher hat mit dem übernächsten Boot touchiert und dieses gab den Stoß weiter bis zu mir. Leider bestritt vorerst der Skipper den verursachten Schaden, so dass der Hafenkapitän kommen musste. Am nächsten Tag entschuldigte sich der Skipper beim Eigner des beschädigten Bootes. Die unmittelbaren und die betroffenen Nachbarn sind Italiener. Durch den Zwischenfall kommen wir  mit Ihnen ins Gespräch und wir werden sie in den Kornaten nochmals treffen. Der Ort Sali sieht vom Meer recht nett aus, aber an Land fehlt irgendetwas.

 

Weiter geht es in den Nationalpark Telašćica. Hier müssen meine 350 Kuna bezahlen, Bojen sind frei. Mit dem Dinghi geht es Land und nach einem Bier geht es rauf zu den Klippen. Ein Esel wird vom Seil entwirrt und dankt es, mit einem traurigen Blick, als sie wieder vorbeikommen. Er dürfte schon sehr lange angebunden gewesen sein. Ihr Weg führt sie weiter zum Salzsee, den sie diesmal umrunden. Am Ende wieder ein Blick auf die Klippen und auf ein Steinmeer.

 

Segelnd geht es in die Kornaten zum Ivo auf einen Fisch, einen Tratsch mit den Italienern und einen morgendlichen Spaziergang auf den Hügel. Nach dem Ablegen geht es weiter in die Piratenbucht auf der Insel Mana, wo sie sich trotz des Schildes „PRIVAT“ nicht abhalten lassen sich die Kulissen von Film „Raubfischer von Hellas“ anzusehen. Haben die doch tatsächlich ein ganzes Dorf aus Steinen aufgebaut. Weiter geht es in die nächste Bucht Kravljacica an eine Boje. Sie hoffen nicht bezahlen zu müssen, haben heute aber kein Glück, daher gibt es Abendessen an Bord. In der Früh wollen sie die Kapelle und die Ruine besichtigen. Sie springen von Stein zu Stein und als sie am Hügelkamm sind sehen sie wie weit das noch ist und dass es auch keinen Weg dorthin gibt, also drehen sie um und kommen zu mir zurück. Ich fahre zwischen den kleinen Inseln hindurch und nach der Ausfahrt der Kornaten setzen sie meine Segel und es geht bis auf die Insel Pasman in die Bucht Zincena. Für heute ist keine tolle Bucht angesagt, aber sie ist ruhig, trotz der vielen Ankerlieger und wir erleben einen schönen Sonnenuntergang.

 

Von dort probieren sie zu segeln, aber lange ist es nicht möglich. Der Wind ist schwach und kann sich noch nicht entscheiden von wo er wehen soll. Also Segel rauf, runter und wieder rauf und wieder runter. Kurz vor Pasman Stadt fällt mein Anker. Neue Sportarten werden dort ausprobiert.

 

 

Unter Motor geht es nach Zadar und wir können vor der Marina ankern. Es ist ein wenig Schwell, aber mit dem Dinghi – die Fahrräder sind auch dabei - geht es an die nächste Mole. Rasch sind sie in der Stadt, sie bummeln, schauen sich die kleinen Gässchen an, trinken ein Bier und merken, dass der Wind gedreht hat. Sie beschließen nach mir und meinem Dinghi zu schauen. Ferry will das Dinghi an die andere Seite der Mole bringen, fällt dabei ins Wasser und will danach zu mir kommen, damit er wieder trockene Kleider anziehen kann. Aber mein Außenborder will schon wieder nicht und er wird den Rest des Törns auch nicht mehr gehen. Sie rudern zurück, aber trotz des Ärgers rudern sie am Abend nochmals in die Stadt. Sie gehen gut Essen, schauen sich den Sonnenuntergang und die Lichtorgel an und lauschen der Meeresorgel, gehen auf einen Cocktail und lassen sich von dem alten Mann in die Marina zurückrudern.

 

 

 

Unser Tagesziel ist Vir-Stadt. In der ganzen Bucht (ca. 2km lang) liegen am Abend 5 Boote, davon 2 auf Fenderfühlung. Am nächsten Tag rudern meine zum Einkaufen und treffen dort meine entfernten Nachbarn (REMJA 2 mit Rudi und Eva) aus der Schweiz. Sie tratschen in der prallen Sonne, suchen dann gemeinsam einen Supermarkt, nur um sich später bei einem Bier wieder zu treffen. Ich bleibe heute liegen, so ein freier Tag ist auch schön.

 

Eigentlich wollten wir nach Nin, aber die nördlichen Winde lassen es nicht zu. So geht es unter Segel nach Molat. Der Stadthafen ist schon ziemlich voll und längsseits auf Päckchen will Ferry nicht liegen, also geht es in die nächste Bucht. Der Anker hält nicht beim ersten Mal, wir gehen nochmals Anker auf und währenddessen legt sich ein Ausflugsdampfer in unseren Schwojkreis. Ferry ist sauer, weil er genau weiß, dass sich der in 3 Stunden schleicht und er ihm jetzt seinen Ankerplatz weggenommen hat.

 

Ich liege dann trotzdem sehr gut und in der Früh geht es unter Segel weiter nach Ist-Stadt. Wir können hinter den Schweizern ankern. Diesmal ankern wir sehr knapp beim nächsten Boot – meine holen ein wenig Kette rein und der andere lässt noch ein bisschen raus und alles ist wieder OK. Am Nachmittag bekomme ich noch Besuch von Oberösterreicher, die in Linz Ihre „Van der Stadt“ ausbauen.

 

In der Früh heißt es zeitig aufstehen, denn es ist eine Bergbesteigung angesagt. Auf 175m steht eine Kapelle und von dort oben soll es eine tolle Aussicht geben. Sie finden auch den Aufstieg und bald ist klar, das ist auch ein Kreuzweg. Manche laufen rauf, manche gehen rauf und manche sind froh wenn sie oben sind. Der Ausblick ist wunderschön – der Leidensweg hat sich gelohnt. Nach einem Frühstück in der Stadt kommen sie zurück und sie beschließen da zu bleiben. Am Abend gehen sie Essen und das was sie bekommen ist sehr gut.

 

Von dort geht es weiter nach Illovik, diesmal aber in die Südbucht. Man kann von dort den Ort in ca. 20 Minuten zu Fuß erreichen. Während sie auf Wind warten putzen sie mein Unterwasserschiff. Erst spät gehen sie Anker auf, setzen die Segel und leider wird es wieder eine Kreuz nach Losinj. Der Wind dreht, lässt aus, Segel runter, Motor an. In Rovenska steht die Bora schon mit 20kn rein - also heute keine Trüffel. Neues Ziel Osor. Segel rauf, am Wind Richtung Osor. Der Wind wird immer stärker, reffen, Wende und spät fällt der Anker.

 

 

Am nächsten Morgen, zeitig raus, denn um 09:00 geht die Brücke auf. Kreise drehen davor ist nicht mehr möglich, hier sind überall Bojen ausgelegt. Alle drängen, jeder will der erste sein, endlich können wir als vorletzter durch den Kanal, aber wir sind ja im Urlaub.

 

Sie setzen meine Segel und Ferry meint da quietscht ja was fürchterlich und schaut zum Lümmelbeschlag und schreit „Segel runter“. Mein Splint vom Bolzen der durch den Beschlag geht ist weg und der Bolzen ist nur mehr zur Hälfte drinnen. Sie sichern meinen Baum mit dem Spi-Fall und motoren nach Unje. In der Bucht können sie dann meinen Baum wieder nach vorne ziehen, indem sie mit einer Leine vom Dirkbeschlag auf eine Mastwinsch gehen. Der Bolzen wird reingeschoben, ein neuer Splint wird wieder zur Sicherung montiert. Bald danach bekomme ich auch schon Besuch von Wolfgang und Sonja. Es wird wie immer ein langer Nachmittag und Abend. Wie immer sorgt Ferry für das leibliche Wohl und Wolfgang für die Getränke.

 

Am nächsten Tag kein Wind und der Kvarner muss schon wieder unter Motor überquert werden. Angekommen in der Soline bei Pula, gehen sie am Campingplatz essen.

 

Unter Blister geht es nach Rovinj. Gleich bemerkt Brigitte eine Solaris aus Österreich. Von einem Freund dessen Bruder hat so ein Schiff. Eine Zeitlang fahren wir miteinander, dann ändert er den Kurs und fährt davon. In Rovinj ist noch eine Boje frei, gleich wird mein Dinghi vorbereitet und Ferry rudert Brigitte an die Mole. Sie bestellen einen Tisch bei „Veli Joze“ und gehen noch auf einen Aperitif. Das Steak ist wie immer toll. Danach sitzen sie in der Steinbar, schauen aufs Meer und schlürfen an ihren Drinks. Am Hauptplatz spielt eine Gruppe von Schülern/Studenten aus England auf Blasinstrumenten. Es war ein Vergnügen ihnen zuzuhören.

Zeitig geht es heute los. Es ist natürlich eine Kreuz nach Umag und vor Novigrad reicht es Ihnen und sie starten meinen Motor. Zum Tanken ist es ihnen zu spät und somit legen sie gleich im Stadthafen an. Nach einem kurzen Tratsch mit dem Hafenmeister, geht es ab zum Abendessen und danach auf einen Drink.

Nicht zu spät geht es rüber zum Tanken und dann wird ausklariert. Unter Motor geht es zurück nach Aquileia. Brigitte fängt schon an sauber zu machen und die Wäsche herzurichten. In der Marina angekommen, wird mein Dinghi am Steg gelegt, mein Vorschiff mit dem Kärcher gereinigt. Die letzten beiden Tage stehen ganz im Sauber machen. Das Deck und das Cockpit wird gekärchert, mein Dinghi wird geschrubbt, Wäsche wird gewaschen, unter Deck wird geputzt und die Räder abgespritzt. Am Sonntag wird mir noch meine Großbaumpersenning weggenommen – naja sie wollen einen neuen Reißverschluss einnähen, das ist OK. Diesmal ohne Regen, dafür aber am heißesten Tag fahren sie nach Hause.

 

So viele Steine wurden gesehen, so viele Höhenmeter wurden erklommen so dass sich Kroatien wirklich das Attribut "Steinreich" verdient. Für die Wanderungen kann es nicht Schaden sich Gämsen als Vorbild zu nehmen.